[Rezension] Reckless - Lebendige Schatten

Das dunkle Märchen geht weiter ...


Cornelia Funke
Reckless - Lebendige Schatten
Dressler Verlag
19,95
ISBN 978-3-7915-0489-6
1. Auflage September 2012
416 Seiten
Gebunden
Ab 14 Jahren
Verlagsseite









Jacob Reckless’ düstere Abenteuer gehen weiter. Seinen Bruder Will hat er retten können, doch der Preis war hoch. Wird sich die Motte auf seiner Brust, Zeichen des Feenfluchs, lösen und zu ihrer Herrin fliegen, ist Jacob dem Tode geweiht. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt – und ein Wettkampf mit dem Goyl Nerron um den einen Schatz. Er kann die Welt auf der anderen Seite des Spiegels ins Verderben stürzen – und ist doch Jacobs einzige Rettung. Gemeinsam mit dem Mädchen Fuchs kämpft Jacob nicht nur um sein Leben. (Quelle)

Bestens. Als ob es nicht reichte, dass er sich ein Wettrennen mit dem Tod liefern musste.





Ich liebe die Spiegelwelt einfach! Dieses märchenhafte und gleichzeitig düstere Flair nimmt mich jedes Mal sofort gefangen. Die Welt, die sich im Umbruch befindet, in der langsam die alten Traditionen, die sie von unserer Welt unterschieden, verloren gehen, die sich immer weiter der Moderne annähert, fasziniert mich. Das ist es, was die Atmosphäre des Buches für mich ausmacht. Diese zersplitterte Welt, mit Jacob darin, der doch immer noch versucht, an der alten Märchenwelt festzuhalten, da er weiß, wie eine moderne Welt aussehen kann.
Das ist es, was Reckless für mich besser macht als die Tintentrilogie, die mich nie so sehr begeistern konnte.

Nach dem etwas enttäuschenden ersten Band der Reihe, kommt nun also der zweite Band der Spiegelwelt. Ich muss sagen, dass ich »Steinernes Fleisch« nicht so schlecht fand, wie viele andere Leser, aber dennoch konnte ich auf jeden Fall eine Qualitätssteigerung feststellen. Woran das liegt, kann ich leider nicht genau in Worte fassen, dazu liegt der erste Teil wohl schon zu weit in der Vergangenheit.

Jacob ist dem Tode geweiht und gemeinsam mit Fuchs macht er sich auf die Suche nach einer Rettung. Er jagt alten Legenden hinterher und doch scheint seine Situation hoffnungslos zu sein. Als er endlich meint, eine Lösung gefunden zu haben, gibt es auch noch einen erbitterten Konkurrenten, der sich parallel auf die Jagd begibt.
Diese Jagd verleiht dem Buch eine ganz besondere Dynamik. In Kombination mit den kurzen Kapiteln ist man schnell versucht, immer weiterzulesen. Zumindest ging es mir so, dass ich das Buch abends nur schwer aus der Hand legen konnte.

Cornelia Funke wechselt häufig die Perspektiven, sodass man sich in jeden Charakter sehr gut hineinversetzen kann, ob in Jacob, Fuchs oder ihren Gegenspieler Nerron. Die Charaktere gefielen mir alle wirklich sehr gut. Natürlich gibt es die klassischen Bösewichte, auch wenn sie in teilweise in ungewöhnlicher Gestalt daherkommen, aber gerade die drei Hauptcharaktere wirkten sehr greifbar und realistisch. Besonders Jacob mit seinem andauernden Kampf gegen seine Unfähigkeit, Schwäche zu zeigen, fand ich sehr gelungen.

Der Schreibstil von Cornelia Funke ist einfach wunderbar. Sie erschafft Bilder vor meinen Augen und die zerrissene Spiegelwelt wurde in meinem Kopf immer wieder lebendig. Ich habe mit Fuchs und Jacob mitgelitten, ich habe atemlos ihre Jagd verfolgt. Langweilig wurde das Buch an keiner Stelle, ganz im Gegenteil. Vor allem die vielen Details, die einen immer wieder überraschen und die Spiegelwelt lebendig erscheinen lassen, fand ich sehr gelungen.

Sehr gut haben mir auch die Elemente gefallen, die Stoff für spätere Bücher bieten. Ganz unauffällig wurden sie im Hintergrund eingebunden und am Ende ... ah, ich darf nicht zu viel verraten. Aber das ist ein Punkt, der mich sehnsüchtig auf den nächsten Teil von Reckless warten lässt.

Positiv erwähnen muss ich auch noch den Verzicht der klassischen Liebesgeschichte, die in den Jugendromanen doch immer wieder auftaucht. Ich fand es sehr angenehm, ein Buch ohne überflüssigen Kitsch zu lesen.

Und natürlich muss ich am Ende noch die schönen Illustrationen loben. Wie immer sehr schön und sehr stimmungsvoll. Am Anfang jedes Kapitels gibt es ein einleitendes Bild. Manchmal hätte ich mir fast noch mehr untermalende Bilder gewünscht.

Sie nahmen eine der weniger befahrenen Straßen nach Nordwesten, die sich an Feldern und Wiesen vorbeiwand, die vergessen ließen, dass Däumlinge und Stilze in Albion inzwischen genauso selten anzutreffen waren wie Hobs, die albische Variante der Heinzel, oder die geschuppten Wasserpferde, die man noch vor ein paar Jahren an jedem Fluss hatte grasen sehen. Der letzte Goldrabe starrte ausgestopft aus einer Museumsvitrine, Einhörner gab es nur noch auf dem Königswappen, und Albion baute in Londra, der alten Hauptstadt, Paläste, die der neuen Zauberei huldigten: der Wissenschaft und der Ingenieurskunst.




Ein wirklich schönes und stimmungsvolles Buch, in dem man sehr schnell versinken kann. Die düstere Spiegelwelt hat mich sofort gefangen genommen.  Der zweite Band hat mir auch auf jeden Fall besser gefallen als der erste. Ich freue mich auf den dritten Teil!

Idee: 4,5/5
Charaktere 4/5
Schreibstil: 4,5/5
Lesespaß: 5/5

Gesamt:

1 Kommentar:

  1. Schöner Blogtitel :D
    hab dich grad entdeckt und bin mal leser geworden.
    PS. bei mir gibts übrigens grad "White Horse" zu gewinnen ;D

    AntwortenLöschen