[Rezension] Die Verratenen



Ursula Poznanski
Die Verratenen
Loewe Verlag
18,95
ISBN 978-3-7855-7546-8
1. Auflage 2012
464 Seiten
Gebunden
Ab 14 Jahren
Verlagsseite






Sie ist beliebt, privilegiert und talentiert. Sie ist Teil eines Systems, das sie schützt und versorgt. Und sie hat eine glänzende Zukunft vor sich – Rias Leben könnte nicht besser sein.
Doch dann wendet sich das Blatt: Mit einem Mal sieht sich Ria einer ihr feindlich gesinnten Welt gegenüber und muss ums Überleben kämpfen. Es beginnt ein Versteckspiel und eine atemlose Flucht durch eine karge, verwaiste Landschaft.
Verzweifelt sucht Ria nach einer Erklärung, warum ihre Existenz plötzlich in Trümmern liegt. Doch sie kann niemandem mehr vertrauen, sie ist ganz auf sich allein gestellt. (Quelle)

Es ist jetzt dunkel. Die Schwärze um mich herum ist mir fremd, in den Sphären befindet sich immer irgendwo ein Licht, das den Augen Halt gibt, und sei es nur die Orientierungslampe, die über jeder Tür angebracht ist. Das Nichts um mich herum nimmt mir die Orientierung.
S. 164


Ich habe von Ursula Poznanski bisher »Saeculum« und »Erebos« gelesen, in dieser Reihenfolge. Beide Bücher haben mir viel Spaß gebracht, auch wenn ich immer Kritikpunkte hatte - besonders bei Erebos. Dennoch hat mir an den Büchern besonders gefallen, dass sie sich so sehr von den anderen Büchern der Sparte trendy-Jugendbuch abheben. Besonders der Verzicht auf die typische 0815-Liebesgeschiche war für mich ein großer Pluspunkt.
Dementsprechend große Erwartungen habe ich in »Die Verratenen« gesetzt. Auch wenn hier ein derzeit sehr angesagtes Genre bedient wird, habe ich gehofft, dass das Buch sich von den vielen anderen Büchern abheben würde.
Wurden meine Hoffnungen erfüllt? Teilweise ja, teilweise nein.

Das Setting ist recht bekannt: Es gibt die Privilegierten, die in einer nahezu perfekten Welt leben und diejenigen, die jeden Tag um ihr Überleben kämpfen müssen. Die Hauptperson Ria gehört zu den Privilegierten und wie es natürlich kommen muss, steht hier das naive Kennenlernen der rauen Wirklichkeit an. So weit, so normal.
Trotz dieser Standardelemente (oder gerade wegen ihnen?) wirkte alles sehr realistisch und greifbar auf mich. Es ist Ursula Poznanski auf jeden Fall gelungen, eine komplexe Welt zu erschaffen, auch wenn einem viele Teile daraus immer wieder bekannt vorkommen.
Die Idee ist also nicht wirklich neu, aber trotzdem sehr ausgereift.

Die Handlung geht recht zackig voran, aber dennoch hat man als Leser ausreichend Zeit in die Welt einzutauchen und sie kennen zu lernen. Weniges wirkt konstruiert und mir wanderten meistens die gleichen Fragen durch den Kopf wie Ria. Durch einige schöne Handlungselemente bleibt eine gewisse Grundspannung das ganze Buch über erhalten.
Einige kritisieren langweilige Szenen. Ich kann nachvollziehen, welche Szenen hier gemeint sind, muss allerdings sagen, dass mir nie langweilig war. Auch die ruhigeren Szenen fand ich sehr schön, denn in ihnen habe ich gemeinsam mit Ria eine neue Lebensweise kennengelernt.

Sehr gut gefallen hat mir die Studentenidee. Die Protagonisten befinden sich in einer Akademie der Sphärenbewohner, jeder von ihnen ist auf einen anderen Wissensbereich spezialisiert.
Die Charaktere sind meiner Meinung nach unterschiedlich gut gelungen. Einige von ihnen sind hervorragend konstruiert und wirken sehr lebendig (Tomma, Tycho, Fiore, Andris), andere dagegen blieben bis zum Ende sehr blass (Aureljo!, Dantorian).
Ria ist eine gute Hauptperson, besonders spannend fand ich ihren analytischen Blick in vielen Situationen, den sie sich in der Akademie angeeignet hat.

Der Schreibstil von Ursula Poznanski ist sehr solide, fließend, mitziehend, es gibt keine Stolperstellen. Ihr gelingt es, Szenen sprachlich sehr gut einzufangen (ich verweise nur auf eine actionhaltigere Szene recht weit am Ende) und einen so zu unterhaltsam durch das ganze Buch zu begleiten.

Leider tauchten einige typische Elemente auf, bei denen ich am liebsten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gerufen hätte: »Nein, wieso hast du das getan?« Wären diese Elemente nicht gewesen, hätte mir das Buch sehr viel besser gefallen, aber so springt es doch sehr auf den Standard-Dystopie-Zug auf.
Trotz dieser Kritikpunkte hatte ich sehr viel Spaß beim Lesen.

Stark. Ich straffe meinen Rücken. Kopf hoch, ruhiger Blick, entspannte Züge. Ich habe es so oft trainiert und zu meiner eigenen Überraschung funktioniert es auch jetzt, und zwar in doppelter Hinsicht. Meine Körperhaltung beruhigt mich so weit, dass ich es schaffe, mich auf den riesigen Prim zu konzentrieren. Wenn ich imstande bin, sein Verhalten richtig zu lesen, kann ich ein Gespräch riskieren. Er fühlt sich nicht von uns bedroht, natürlich nicht, es muss es also nicht eilig haben, uns zu töten.
S. 202


Eine solide Dystopie, die nicht unbedingt etwas Neues liefert, aber trotzdem mit einem gut konstruierten Setting überzeugen kann. Ich freue mich auf den nächsten Teil der Reihe, denn es wurden auf jeden Fall nicht alle Fragen geklärt.

Idee: 3/5
Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Schreibstil: 4/5
Lesespaß: 4/5

Gesamt:
 

Kommentare:

  1. Nach meiner 'Erebo'-Lektüre (das ist das Rumgehype meiner Meinung nach außnahmsweise mal berechtigt :P ) ist dieses Buch gleich auf die Wunschliste gewandert :) Ich mag deine Rezi sehr, weil sie über dieses (leider typische) 'toller Schreibstil, sympathische Charaktere'-Gelaber rausgeht und du dich richtig mit dem Buch auseinandersetzt :)

    Und doooooch: für mich sind fast 3000 Seiten auch sehr viel :D Das wird jetzt rasant abnehmen, weil ich wieder voll im Uni-Leben stecke. Qualität üner Quantität ist da das Motto ;)

    Dafür bist du mit deinem Studium kein Fachidiot. Hat auch was positives :) Dann kann man sich vielleicht auch leichter in alles reinfuchsen, wenn man das schon mal gehört hat? Aber du hast auf jeden Fall recht. Wenn man was Praxisbezogenes will, macht man am besetn vorher 'ne Ausbildung und studiert danach. Dann hat man beides :D
    Philosophie hatte ich auch mal zwei Semester lang. Das fand ich richtig hart. Viel zu viele merkwürdige Gedankengänge. Der Prototyp des Laberfaches :D Sei froh, dass du das nach einem Schnuppersemester hinter dir hattest ;)
    Jap, Mediävistik mag ich auch extrem gerne - wenn man das mal drin hat, ist es auch vom sprachlichen her nicht mehr soo viel zu lernen :) Aber eigentlich mag ich alles. Deshalb hab ich für die BA auch noch keinen Plan. Das überleg ich mir in den nächsten Semesterferien :D

    6 Monate sind auf jeden Fall gut, auch um mal in die Routine zu kommen. Das mit der Eigeninitiative stimmt natürlich. Aber allein, dass man während des Studiums einen freien Zeitraum dafür einbaut, wäre es mir auf jeden Fall wert. Ich muss meine Praktika in den Semesterferien machen und da ist länger als 8 Wochen nix drin, was mich schon ärgert. Und viele Arbeitgeber stellen lieber Pflichtpraktikanten ein, weil die dann über die Uni versichert sind und die Arbeitgeber wirklich absolut überhaupt nix kosten (und jetzt sind wir bei meinem Lieblingsthema: Praktikanten ausbeuten xD )

    Klar sind das Google-Fragen :D Ich lerne sowas immer mit Google. Und die werden das auch gemacht haben und weiterhin machen. Weil man solche Sachen einfach mega schnell vergisst, wenn man das nicht ständig macht. Aber was soll's. So hatte ich während des Seminars Zeit, durch verschiedene Blogs zu stöbern xD

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  2. Hi, ich habe dich getaggt, vielleicht hast du ja Lust mitzumachen!! http://traumweltenwandlerin.blogspot.de/2012/11/tag-11-fragen.html

    Lieben Gruß Krys

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