[Rezension] abends um 10




Kate de Goldi
abends um 10
Carlsen
7,95 €
ISBN 978-3-551-31177-1
256 Seiten
Taschenbuch
ab 12 Jahren
Verlagsseite





Inhalt


In Frankie Parsons Leben ist alles verlässlich. Konstant. Vorhersehbar. Sogar die ständige Ergänzung seiner sowieso schon sehr langen Liste von Sorgen. Tageslauf, Wochenplan, Jahresrhythmus - nichts ändert sich. Das morgendliche Miauen der Fettkontrolle. Die schlechte Laune seiner großen Schwester. Der tägliche Zickzackweg zum Bus mit seinem besten Freund Gigs. Sein Klassenlehrer Mr A und dessen liebste Waffe: das Wörterbuch. Der Küchenduft bei der Heimkehr. Die Klangwand-Abende mit Louie und Onkel George. Die ausgelassenen Besuche der Tanten. Und die absolut zuverlässigen Antworten seiner Mutter, immer abends um 10.
Doch dieses Jahr ist alles anders. Das liegt an Sydney. An ihren liebevollen, neugierigen, taktlosen Fragen. Und Frankie Parsons Welt gerät aus den Fugen. (Quelle)

Dienstag, der vierzehnte Februar, fing für Frankie Parsons schlecht an. Es keine Milch für sein Müsli da. Und kein Katzenfutter für die Fettkontrolle, die deshalb unterm Tisch anklagend miaute, während Frankie seinen Toast aß.
S. 5


Meine Meinung


Es tut mir sehr leid, aber ich konnte zu diesem Buch keinen Zugang finden. Ich finde das sehr schade, denn es gibt so viele begeisterte Stimmen und Rezensionen, aber so ganz kann ich die Begeisterung nicht nachvollziehen.

Der Schreibstil des Buches ist wirklich recht gut, er gibt die innere Stimme der Hauptperson Frankie in einem sehr passenden Tonfall wieder. Frankies Gedanken sind geprägt von Ängsten, Sorgen, was-wäre-wenn-Überlegungen; er driftet häufig ab, widmet sich Details oder Nebensächlichkeiten. Mir fiel es schwer, für alles, was Frankie in den Sinn kam, Interesse zu zeigen.

Damit wären wir auch schon bei der Handlung. Ich weiß nicht recht, wie ich es beschreiben soll, aber auf weiten Strecken wusste ich nicht ganz, worauf ich hinlese. Wohin will die Handlung? Oder bewegt sie sich nur auf einem Punkt?
Sehr gut gefallen haben mir die nächtlichen Gespräche zwischen Frankie und seiner Mutter, die dem Buch seinen Titel geben. Sie haben nochmal den Tag Revue passieren lassen und geben dem Buch einen Fokus, die Frankies Erzählstimme ihm nicht zu geben vermag. Wäre nur ein bisschen mehr dieser Stimmung dabei gewesen!

Ein weiterer Punkt, der mich störte, waren die Charaktere. Für mich sind sie nicht ganz greifbar gewesen, obwohl sie eigentlich gut charakterisiert wurden. Ich weiß nicht recht, woran es lag, aber selbst Sydney, die ja eine der wichtigsten Figuren ist, war recht blass. Ich weiß, dass sie Rastalocken und Glubschaugen hat, aber mehr ist nicht hängen geblieben.

Außerdem wirkte mir der Humor teilweise etwas zu erzwungen, mir schien es, als wäre Frankies Leben zu sehr auf "anders" getrimmt. Die Hauskatze heißt "Fettkontrolle", der Vater wird nur "Onkel" genannt und so weiter und so weiter. Ich weiß nicht, ob diese Dinge wirklich nötig gewesen wären ... Mir persönlich war es zu viel. Am Anfang fand ich es noch witzig, doch irgendwann war es einfach zu dominant.

Dabei behandelt das Buch durchaus ein ernstes Thema. Leider war es für mich persönlich in der Darstellung nicht intensiv genug, auch wenn man durch Frankies Gedankenwelt eigentlich vom Gegenteil ausgehen sollte. Aber irgendwie hat mich das Buch gesättigt, an skurrilen Charakteren, seltsamen Lebensgewohnheiten und Frankies wirren Gedanken. Es war für mich zu viel, zu viel um noch Platz für die ernsteren Themen zu lassen, was ich persönlich sehr schade finde.
Ich würde gerne etwas Positiveres sagen, aber mein Buch war es nicht. Vielleicht ist es besser für jüngere Leser geeignet, es fällt mir schwer, das einzuschätzen.

Frankie machte die Hintertür auf und roch warmen Honig und geröstete Walnüsse. Baklava. Er war Experte darin, die verschiedenen Backwaren allein anhand der Gerüche zu erkennen (wofür er sich immer ein A+ gab), oder zumindest an den Schüsseln und Zutaten auf der Arbeitsplatte (B+).
S. 46


Fazit


Ein Buch, das vor skurrilen Charakteren, Situationen und Gedanken nur so wimmelt, leider rückt dadurch das ernste Grundthema in den Hintergrund. Nicht das richtige Buch für mich, leider.

  

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