[Rezension] Pampa Blues




Rolf Lappert
Pampa Blues
Hanser Verlag
14,90
ISBN 978-3-446-23895-4
1. Auflage 6. Februar 2012
256 Seiten
Klappenbroschur
Verlagsseite





Inhalt


Der 16-jährige Ben sitzt in dem verschlafenen Nest Wingroden fest, wo es nicht viel mehr gibt als eine Tankstelle, den Baggersee und die schöne Friseuse Anna. Als der Visionär Maslow Nachrichten von einem UFO verbreitet, um den Ort in eine Pilgerstätte zu verwandeln, taucht Lena mit ihrer Kamera auf. Maslows Plan scheint zu funktionieren. (Quelle)

Manchmal versteht Karl alles, sogar schlüpfrige Sprüche. Dann ist sein Kopf ein altes Radio, in dem die verstaubten Röhren noch einmal aufglühen und auf Empfang gehen. Aber meistens reicht es gerade einmal für die einfachsten Sätze, an schlechten Tagen bloß für einzelne Wörter wie essen oder schlafen oder Kuchen. Mit Karl geht es bergab. Wenn sein Gehirn den Betrieb irgendwann völlig aufgibt, können wir uns überhaupt nicht mehr unterhalten. Ich weiß nicht, ob ich es vermissen werde.
S. 9-10


Meine Meinung


Sowohl der Name Rolf Lappert als auch der Hanser Verlag stehen in meinen Augen für Qualität. Ich bin an dieses Buch also mit recht hohen Erwartungen herangegangen. Das Positive daran ist, dass ich diesmal nicht enttäuscht wurde.

Hauptperson des Buches ist Ben, der gemeinsam mit seinem Großvater Karl in Wingroden lebt. Eigentlich absolviert er bei Karl eine Ausbildung zum Gärtner, obwohl er lieber Automechaniker werden würde, denn mit Autos kann er besser umgehen als mit Pflanzen. Doch dann ist alles ganz anders gekommen, denn Karls Gedächtnis geht verloren und er wird zum Pflegefall - und Ben ist derjenige, der sich um ihn kümmert, in Wingroden, obwohl er davon träumt, mit einem VW-Bus nach Afrika zu fahren.

Ben war für mich ein wunderbarer Hauptcharakter, durchaus pubertär, manchmal sehr hitzköpfig und stur, aber gleichzeitig liebenswert und ehrlich. Die Situation mit Karl belastet ihn stark, er fühlt sich verlassen und eingesperrt, träumt von der Freiheit, ohne wirklich nach ihr zu greifen. In jeder Zeile spürt man dieses zwiespältige Verhältnis zu Karl und seinem Leben, schon von Beginn an. Er liebt seinen Großvater, doch gleichzeitig hasst er ihn, wofür er sich im selben Moment schämt, denn er bleibt doch ein hilfloser, lieber, alter Mann, der auf ihn angewiesen ist. Auch die Darstellung von Karl hat mir sehr gut gefallen, am liebsten hätte ich ihn persönlich kennen gelernt, so sehr ist er mir ans Herz gewachsen.

Diese Beziehung zwischen Karl und Ben war es, die mich an dem Buch gefesselt hat, zusammen mit der skurrilen Atmosphäre des kleinen, norddeutschen Dorfes, wo nur eine Handvoll Menschen lebt. Leider sind viele der anderen Charaktere etwas blass geblieben; nur Personen wie Maslow oder Lena zeigten Besonderheiten, während die anderen Dorfbewohner, Willi, Kurt, Otto und wie sie alle hießen, keine herausstechenden Charaktereigenschaften entwickelten. Sie blieben eine Masse an Personen, die alle unter den gleichen Problemen leiden, der Unbekanntheit Wingrodens.

Nun kommt der UFO-Plan ins Spiel, der für mich allerdings eher eine amüsante Nebensächlichkeit in dem Buch darstellte, denn das eigentliche Zentrum der Geschichte ist doch Bens Erwachsenwerden - mit allem, was dazu gehört.
Die Handlung bot einige interessante Wendungen, die ich so nicht erwartet hätte. Auch wenn alles sehr ruhig ablief, hat mich das Buch stets gefesselt. Es hat durchaus das Potential, in einem Tag verschlungen zu werden, denn der Schreibstil trägt einen locker und leicht durch die Geschichte.
Aber man sollte beachten, dass der Name wirklich Programm ist: Keine atemlose Spannung verbirgt sich zwischen den Seiten, nur eine ruhige, leicht melancholische Stimmung.

Einige Rezensenten kritisieren, dass (wieder einmal) die norddeutsche "Pampa" als Handlungsort gewählt wurde. Mich als Norddeutsche hat das nicht wirklich gestört - auch wenn natürlich die typischen Klischees der norddeutschen Provinz (inklusive Namenswahl) verwertet werden. Aber hey, ich fand das wirklich amüsant. Und welches andere Jugendbuch bietet schon ein solches Setting?

»[…] Weißt du, was passiert, wenn du die Buchstaben aus Wingroden auseinandernimmst und neu zusammensetzt?«
Lena schüttelt den Kopf.
»Nirgendwo. - Ist das nicht deprimierend?«
S. 178


Fazit


Ein tolles und absolut empfehlenswertes Jugendbuch, das in der deutschen Provinz angesiedelt ist und schon allein dadurch etwas speziell ist. Es erfordert eine gewisse Affinität für ruhige Geschichten, einen spannungsgeladenen Roman darf man hier nicht erwarten!

Idee: 4/5
Handlung: 5/5
Charaktere: 4/5
Schreibstil: 4,5/5
Lesespaß: 5/5

Gesamt:
  

Kommentare:

  1. Ich habe das Cover mal im Laden gesehen und das Buch dann recht schnell wieder vergessen. Zu unrecht, wie mir beim Lesen deiner Rezension scheint. Das ganze klingt durchaus gut und lesenswert. Trotzdem bin ich nicht ganz sicher, ob dieses Buch etwas für mich ist... Vielleicht hilft da ein bisschen reinlesen :) Vielen Dank für den Tipp!

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    1. Ich fürchte, das Cover ist auch relativ nichtssagend, andererseits passt es so natürlich auch zum "Pampa"-Inhalt. Ich habe es damals wegen Rolf Lappert mitgenommen, trotz des recht stolzen Preises.
      Ich denke, dass dieses Buch durchaus nicht jedem gefällt, kann nun aber schwer einschätzen, wie es bei dir aussähe. :)

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  2. "Pampa Blues" hatte ich auch schon ein paar mal in der Hand, aber weil es mit 15 Euro für doch recht wenige Seiten ziemlich teuer ist, habe ich es bisher immer stehen lassen. Vielleicht finde ich es mal in der Bücherei, denn nach deiner Rezi scheint es ja ziemlich lesenswert zu sein!

    Und noch ein anderes Thema: Für die YA-Challenge würden wir gern demnächst eine Mail rumschicken, leider habe ich auf deinem Blog nirgends eine email-Adresse finden können. Falls du sie hier nicht veröffentlichen möchtest, könntest du sie mir an diebuecherdiebin@fantasymail.de schicken? Ganz lieben Dank, deine Bücherdiebin

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    1. Ja, den Preis finde ich auch ziemlich knackig. Ich habe damals sehr mit mir gerungen, ob ich es mitnehmen soll oder nicht, letztendlich bin ich aber froh, dass ich mich dafür entschieden habe.
      Und die Bücherei wäre hier natürlich perfekt, mir hat das Buch nämlich wirklich gut gefallen. :)

      Oh, klar. Ich habe auch kein Problem damit, sie zu veröffentlichen (ich sollte wohl mal eine Kontaktadresse eintragen), aber ich schicke sie dir auch nochmal per Mail. :)

      Viele Grüße
      Miyann

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  3. kann mir jemand helfen ich brauche eine personenbeschreibung von allen personen im büch über den charakter und das verhalten kann mir jemand bitte helfen
    meine emailadresse:falkner.marvin@gmail.com Vielen dank im voraus :D

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