[Autorenvorstellung] Wer ist eigentlich ... Nils Mohl?





»Tendenziell immer dafür.«








Kurz und Knapp


Nils Mohl.
Jahrgang 1971.
Studium der Literaturwissenschaft, Linguistik und Volkskunde.
Lebt mit seiner Familie in Hamburg, Jenfeld, drei Kinder.
Unterrichtet an der Universität Hamburg »Schreibtechniken«.
Arbeitet in der Reklamewirtschaft.
Zwei Romane. Kasse 53. Es war einmal Indianerland. Ein weiterer wird gerade geschrieben.
Außerdem Kurzgeschichten, Erzählungen, Essays, Stücke.
Es war einmal Indianerland hat mehrere Preise gewonnen: Oldenburger Kinder- Jugendbuchpreis 2011, Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium 2012, White Raven der Internationalen Jugendbibliothek München 2012, Deutscher Jugendliteraturpreis 2012



Zur Vorstellung
Ich habe einzelne Ausschnitte und Statements aus Interviews zu verschiedenen Themen zusammengetragen, weil man einen Menschen und Autor wohl am Besten durch ein persönliches Gespräch kennenlernt. Ich hoffe, dir einzelnen Ausschnitte bringen euch Nils Mohl etwas näher und machen euch neugierig auf sein Schreiben. :)
Die Quellen stehen unten unter "Verlinkt". 




Es war einmal Indianerland


Inhalt
Stell dir vor, du bist 17 und lebst in den Hochhäusern am Stadtrand. Der Sommer ist heiß. Es ist Mittwochnacht, als dir Jackie den Kopf verdreht. Im Freibad. Fuchsrotes Haar. Sandbraune Haut. Stell dir vor, wie dir die Funken aus den Fingern sprühen vor Glück. Und plötzlich fliegt die Welt aus den Angeln: Zöllner erwürgt seine Frau. Edda, die 21-Jährige aus der Videothek, stellt dir nach. Mauser steigt mit Kondor in den Ring. Immer wieder meinst du, diesen Indianer mit der Adlerfederkrone zu sehen. Und dann zieht zum Showdown ein geradezu biblisches Gewitter auf – fühlt es sich so an, erwachsen zu werden? (Quelle)

Die Entstehungsgeschichte
»Ich hatte mich gerade auf ein äußerst ruhiges Dasein als Autor für ein handverlesenes Publikum eingestellt – da kam dann eine Anfrage von Rowohlt. Dort war die Leiterin Jugendbuch, Christiane Steen, über eine meiner Storys aus Ich wäre tendenziell für ein Happy End gestolpert. Schnelle Schnitte. Non-lineare Zeitstruktur. Der Held ein Teenager aus einer Plattenbausiedlung am Stadtrand. Sie wollte wissen, ob ich mich nicht an einem Roman für Jugendliche versuchen möchte und gab mir drei Wochen für ein Exposé. Einfaches Taschenbuch, Umfang maximal bis 180 Seiten: Das war so die Vorstellung.«

Die ungewöhnliche Struktur (Zur Erklärung: Die einzelnen Passagen des Buches sind nicht chronologisch angeordnet.)
»Die Verwirrung der Gefühle ist ja nun das Klischee schlechthin, wenn man über Menschen an der Schwelle zum Erwachsenwerden spricht. Es lag wirklich nah, das so zu regeln. Gerade weil es auch um das Thema Liebe geht. Um einen Prozess, der von der reinen Schwärmerei wegführt, hin zur Bereitschaft, jemand eigentlich Fremdes mit Vertrauen zu begegnen, Intimität zuzulassen und all diese Dinge. Das ist jenseits der Fiktion, wie jeder weiß, meist ebenfalls kein auffällig gradliniger Prozess. Ich fand es deshalb unheimlich reizvoll und schlüssig, das innere Ringen des Helden, sein Hin und Her, auch in der Form des Romans abzubilden.«

Das Alter des Protagonisten (17)
»Ein Leben reicht sowieso nicht. Nie. Deshalb ist auch allen mein Neid sicher, die statistisch noch mehr von ihrem übrig haben als ich. Und tatsächlich war in meinem Leben mit 17 sehr viel los, was ich gerne erlebt habe. Erste Freundin, erstes Festival, erste Autofahrt allein mit Freunden. Ich habe tolle Literatur entdeckt, tolle Filme, tolle Musik, dabei viel gelernt, was noch heute erstaunlich wichtig für mich ist. Das ist mir beim Schreiben erst richtig aufgegangen. Und mal ehrlich: Wer mit Ende 30, Anfang 40 würde nicht gerne noch mal 17 sein?«

Deutscher Jugendliteraturpreis - Ähnlichkeit zu Tschick
»Tschick ist ʻn tolles Buch - meins auch.«


Nils Mohl


Themenwahl der Romane
»Ziemlich am Anfang meiner Schriftstellerlaufbahn riet mir mein alter Handballtrainer: Deine Herkunft ist das Pfund, mit dem du wuchern musst, weil du nämlich weißt, dass es in diesen Hochhaus-Treppenhäusern nach Klebstoff, Pisse und Kohl mieft. Das mit den Treppenhäusern ist nicht ganz korrekt. Aber wahr ist: Ich habe bis 19 in Plattenbaublocks am Stadtrand gelebt. Dritter Stock. Malerischer Blick – selbst wenn man keine Schwäche für Beton und achitektonischen Brutalismus hat. Und sofern ich pathetisch aufgelegt bin, behaupte ich zuweilen: Ich empfinde da eine gewisse Verantwortung. Was vermutlich okay ist, weil ich das dann als Schriftsteller von mir gebe. In Wahrheit ist Kulisse aber immer bloß Kulisse.«

Das Schreiben
»Viel lesen. Viel ausprobieren. Viel löschen und wegschmeißen. Und dann noch mehr lesen und ausprobieren und löschen und wegschmeißen. Das sagen zwar alle. Aber an dieser Stelle stimmt das. Ausnahmsweise. Wobei es mir tatsächlich erstaunlich leicht fiel, für Indianerland eine Sprache zu finden. Ich hatte diesen Westernmetaphernfundus zum Beispiel, der sich als unheimlich reichhaltig erwiesen hat – und darüber war ich schon sehr froh.«


Zukunft


Was kommt als nächstes?
»Ich würde gerne eine Trilogie über das Erwachsenwerden schreiben, eine Liebe-Glaube-Hoffnung-Trilogie. Teil zwei ist auch schon in Arbeit. Er soll Stadtrandritter heißen.«

Worauf können wir uns da freuen?
»Auf Silvester und Merle, die darum kämpfen, zueinander zu finden. Auf Domino, die etwas dagegen hat. Auf Kitty, Silvesters verstorbene Schwester, die in ihrem Bruder noch sehr lebendig ist. Auf den Stadtrand im Herbst – mit viel fallendem Laub und Regen. Auf eine Geschichte um Eifersucht, Verrat, Gemeinschaft und um die Frage, woran glauben? Auf ein Wiedersehen mit Kondor. Auf ein Wiedersehen mit Edda und Mauser. Auf bewohnte Autowracks. Auf Feuer. Auf ein Epos in neun Aventiuren – und mit alternativem Ende. Auf etwas, das auf jeden Fall besser wird als die Klappentext-Prosa, nach der das jetzt klingt. Versprochen.«

Und danach?
»Indianerland und Stadtrandritter sind die ersten zwei Teile einer geplanten Trilogie über das Erwachsenwerden – keiner Serie, sondern tatsächlich einer Trilogie im klassischen Sinne. Alle Teile sollen auch für sich stehen können und zusammen trotzdem mehr ergeben als ihre Summe. Am Ende hätte ich dann gerne eine Liebe-Glaube-Hoffnung-Trilogie im Schuber: 1000-nochwas Seiten plus Making-of als Bonusmaterial. Und danach schlafe ich dann mal wieder richtig aus.«


Verlinkt

Kommentare:

  1. Klingt sehr sympathisch und "Indianerland" hört sich echt interessant an. Muss ich mir mal genauer anschauen :)

    Hach ja, Studenten sich schon ein Völkchen für sich :D Die Prüfungszeit war diesmal sehr stressig, aber sie ist gut rumgegangen. Jetzt noch 2 Hausarbeiten und alles ist vorbei...erstmal :D

    Die 'Oldie but Goldie'-Challenge hatte ich diesem Monat leider kaum auf dem Schirm und hab auch noch keinen so genauen Leseplan. Ich hab hier noch zwei Dramen liegen ('Emilia Galotti' und 'McBeth'), die kommen wahrscheinlich dran. Aber ansonsten muss ich mal schauen :) Hast du schon eine Leseliste? :)

    Ja, ich hab so ein Plugin und kann auch gesperrte Videos schauen (wenn die auch super langsam laden -.-'), aber die möchte ich nicht so gerne posten, weil ja jeder die Videos sehen können kann, der auf dem Blog vorbeischaut und ich so ein Plugin nicht voraussetzten möchte.

    Und mach dir wegen den Kommis keinen Kopf :D ...ich weiß schon gar nicht mehr, worum es da ging xD

    Liebste Grüße
    MelMel

    AntwortenLöschen
  2. Schöne Vorstellung! Im Sinn hatte ich das Buch "Es war einmal Indianerland" immer wieder, aber jetzt landet es endgültig auf der Wunschliste. Vor allem solche Autorenvorstellungen finde ich immer spannend, bevor man ein Buch liest. Toll! :)

    Ja, genau! Ich mag solche Posts bei anderen auch ganz gerne, deshalb behalte ich es wohl bei. :)

    Oh ja, mein Deutschlehrer war wirklich toll! Zum Teil auch der Auslöser, weshalb es ich jetzt dieselben Fächer studiere wie er zu seiner Zeit. :D Das Seminar war "Einführung in die Neuere Deutsche Literatur". :) Wir haben verschiedene Gattungen behandelt und als Beispiel für die Epik sollten wir dann den Sandmann lesen. :)

    Danke! :D Wow, die Suhrkamp Editionen sehen ja unglaublich gut aus! Toll. <3
    Ja, du hast Recht! Fischer Klassik waren ja, glaube ich, eine der ersten. Wobei ich auch die Reihen der anderen Verlage mag, zum Beispiel die Klassiker des Aufbau-Verlags. Die sehen auch super aus. :)

    AntwortenLöschen
  3. "Tschick ist 'n tolles Buch - mein's auch".
    Das war wohl eine der amüsantesten Reden, die wir an diesem Tag bei der Verleihung gehört haben. Der Autor selbst kommt schon mal sehr sympathisch rüber.
    Leider konnte ich der Jury-Entscheidung (Erwachsene halt, wir Jugendjurys haben viiieeel besser entschieden :D) nicht zustimmen, denn ich habe es noch nicht einmal geschafft, mich durch das ganze Buch zu quälen. Der Stil ist so gar nicht meins und die Thematik habe ich irgendwie nicht so ganz durchschaut.
    Naja, die Jugendjurys halten allgemein mehr von ihrer Kategorie :D.

    Auf jeden Fall eine sehr schöne und informative Autorenvorstellung.
    Wird es noch mehr davon geben?

    Liebe Grüße
    Charlie

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh, du warst bei der Verleihung? Wie toll. :)
      Ich fand das Gespräch auch super. Deswegen musste ich das Statement auf jeden Fall nochmal mit aufnehmen. Außerdem finde ich ist es schwer, "Tschick" und "Es war einmal Indianerland" überhaupt miteinander zu vergleichen, die Bücher sind meinem Empfinden nach grundverschieden.

      Ich korrigiere, du warst nicht nur dabei sondern in der Jury? Wie genial. :)
      Und "euer" Buch kenne ich gar nicht bewusst, das muss ich mir mal genauer ansehen.

      Hm, vielleicht gefällt es dir ja in ein, zwei Jahren besser? Ich persönlich fand den Stil ganz großartig. Allgemein hat mir das Buch sehhr gut gefallen - aber ich bin dem Jugendalter auch schon entwachsen. Hm.

      Diese habe ich nun im Rahmen der Contemporary YA Challenge verfasst, ob es noch weitere geben wird, muss ich mir mal überlegen. An sich informiere ich mich immer gerade über die Köpfe hinter den Büchern. Ich habe auf jeden Fall mal vorausschauend eine Kategorie dafür angelegt. :)

      Viele Grüße
      Miyann

      Löschen
    2. Ja, und die Leute haben sich echt Mühe gebeben, unterhaltsame Reden zu halten ;). Viel schlimmer ist die Präsentation der Erwachsenenjury - 24 Mal das gleich "Nominiert für den Deutsche Jugendliteraturpreis 2012..." *gähn* :D
      Stimmt, ich habe letzteres zwar nicht komplett gelesen, von der Geschichte her scheint es aber sehr unterschiedlich zu sein.

      "Sieben Minuten nach Mitternacht" ist wirklich sehr schön! Eine ungewöhnliche Art, mit dem Thema Krebs und Verlust umzugehen.

      Komisch, dass ein Jugendbuch einem erst gefällt, wenn man aus dem Alter raus ist :D. Aber wer weiß, es gibt bestimmt auch Jugendliche, denen das Buch gefällt ;).

      Ich lese auch gerne mal etwas über die Autoren nach, deren Bücher ich lese. Ich würde mich also sehr über mehr solcher Autorenvorstellungen freuen, wenn du Lust hast ;).

      Liebe Grüße
      Charlie

      Löschen
  4. Lieben Dank für deinen Link!

    Nils Mohl kommt wirklich sehr sympathisch herüber. Finde es ziemlich interessant, dass er selbst in so einem Plattenbau aufgewachsen ist - die Atmosphäre davon spürt man im "Indianerland" ja auch ziemlich gut. Irgendwie bekomme ich jetzt schon Lust, den "Stadtrandritter" zu lesen, aber ich bin wirklich unsicher, ob mir der Schreibstil diesmal besser zusagt. Naja, mal hineinschnuppern ist definitiv drin :-)

    Uh-oh, gleich ein eigenes Label "Autorenvorstellung" ... würde mich freuen, wenn wir dich zu einer neuen Kategorie auf deinem Blog inspiriert haben und ich jetzt öfter von so netten Autoren bei dir lesen kann :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Gerne, gerne. :)

      Ja, ich finde ihn auch sehr sympathisch und freundlich. Es hat viel Spaß gemacht, die Interviews zu lesen und passende Textstellen herauszusuchen. :)
      Manchmal können ja auch Bücher begeistern, bei denen man vielleicht nicht alles 100% gut findet. Der Schreibstil ist sicher Geschmackssache, ebenso wie das non-lineare Erzählen.
      Aber auf jeden Fall ist es ein außergewöhnlicher Stil, der mal Abwechslung im sonst eher gleichförmigen Jugendbuchbereich bietet.

      Ich würde "Stadtrandritter" auch schon gerne in der Hand halten. Ich wette, die Bücher sehen auch gemeinsam im Regal ganz toll aus. :D

      Ja, ich dachte mir, dass ich da vielleicht nochmal was in der Richtung machen kann. Ich recherchiere allgemein gerne mehr über Autoren und dann kann man das ja durchaus nutzen. :)

      Löschen