[Rezension] Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde




Robert Louis Stevenson
Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde
Jahr: 1886

Meine Ausgabe:
insel taschenbuch
6,00 €
ISBN 978-3-458-34802-3
133 Seiten
Broschur
Verlagsseite





Inhalt


Stevensons unheimliche Geschichte vom ehrenwerten Dr. Jekyll und seiner »Nachtseite«, dem furchteinflößenden Mr. Hyde, ist einer der größten Klassiker der Gruselliteratur. (Quelle: Klappentext)

Und da entstand im Bewußtsein des Anwalts und wuchs zusehends ein eigenartig starkes, ja fast ausschweifendes Verlangen, die Gesichtszüge des wirklichen Mr. Hyde zu schauen. Wenn er ihn - so glaubte er - erst einmal mit eigenen Augen sehen könnte, würde sich das Geheimnis lichten oder vielleicht überhaupt in Nichts zerfließen, so wie es mit geheimnisvollen Dingen geschieht, wenn man ihnen auf den Grund geht. Er würde dann vielleicht eine Erklärung für seines Freundes seltsame Zuneigung oder Knechtschaft (oder wie man es sonst nennen mochte) und selbst für die seltsamen Klauseln des Testaments finden.
S. 26


Meine Meinung


Dr. Jekyll und Mr. Hyde; diese Geschichte ist wohl jedem ein Begriff. Ein Wissenschaftler, der sich durch eine geheimnisvolle Mixtur in ein zweites, finsteres Ich verwandelt. Es handelt sich hier also um eine Novelle rund um das Thema Seelenspaltung, den Kampf zwischen Gut und Böse im Menschen sowie eine genaue Untersuchung der menschlichen Persönlichkeit.

Ich wusste nicht genau, was ich von dieser Geschichte erwarten sollte, ich habe sie in meinem Regal entdeckt und spontan gelesen. Die Novelle ist wie ein Bericht aufgebaut, der aus der Sicht des Rechtsanwaltes Utterson erzählt wird, der sowohl der Anwalt als auch ein guter Freund von Dr. Jekyll ist.

Utterson wird auf die Gestalt des Mr. Hyde und das seltsame Gebaren seines Freundes Dr. Jekyll aufmerksam, der Mr. Hyde zum alleinigen Erben ernennt. Er kann nicht erschließen, was diese beiden Personen, die doch wie Tag und Nacht wirken, miteinander zu tun haben.
Mr. Hyde ist eine ungehobelte Person, die eine böse Ausstrahlung hat, während Dr. Jekyll ein ruhiger, freundlicher Mann ist.
Langsam geht Utterson dem Geheimnis auf den Grund, während die Ereignisse sich zuspitzen.

Besonders gut gefielen mit die letzten dreißig Seiten der kurzen Novelle, in denen genauer auf die Motivation und die Hintergründe von Dr. Jekyll eingegangen wird. Er schildert seine Gefühle und seine innere Zerrissenheit sehr nachvollziehbar. Von der Gesellschaft fühlt sich der Arzt eingeschränkt und er fühlt, wie seine finstere Seite immer stärker wird und ausgelebt werden will.


Ich erfuhr an mir selbst, und zwar in moralischer Beziehung, die völlige und ursprüngliche Zwiespältigkeit des Menschen. Wenn die beiden Wesen in meinem Bewußtsein miteinander rangen, selbst wenn ich für eins von ihnen gehalten wurde, konnte das nur geschehen, weil beide in mir wurzelten.
S. 105


Fazit


Eine interessante kleine Geschichte, die den Grundstein für viele gespaltene Persönlichkeiten und Literatur und Film legt. Sehr lesenswert!

  

Kommentare:

  1. Oh mein Gott, ist das ein Zufall? Ich hab das Buch erst letzte Woche auf Englisch für die Schule lesen müssen! xD Auf jeden Fall hat mir das Buch auch gefallen, besonders das Ende eben. Eine kuriose Geschichte für zwischendurch :) & übrigens toller (neuer) Header :D Momentan sind recht viele Blogger an Umbauarbeiten ihres Designs beschäftigt :o

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    1. Hehe, sehr lustig. Ist das gut lesbar auf Englisch? :)
      Es ist wirklich ein schönes, kleines Geschichtchen. Ich werde mir nun auf jeden Fall mehr von Robert Louis Stevenson besorgen (ich möchte zum Beispiel unbedingt den Schwarzen Pfeil lesen ...).

      Danke dir. Der ist nun sogar schon relativ lange da. :D
      Ich bin aber auch am Überlegen, ein ganz neues Design zu basteln, das bringt so viel Spaß. Vielleicht ein bisschen weg von dem Kästen ... *grübel* Mal sehen. :)

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    2. Das kann nicht nicht beurteilen, da wir eine Version lasen, die eigentlich für Kinder geeignet war - mit Illustration und drum und dran, haha. Also diese Version war sehr einfach zu lesen. Habe jetzt in einen kurzen Ausschnitt aus dem Original geguckt, und muss sagen, dass es ziemlich schwierig ist. Ich habe auch nur das Schulenglisch drauf, also kein Wunder, dass mir so viele Fremdwörter begegnen. :O

      Ich bin gespannt, was du dir einfallen lässt! ;) Ich baue immer einzeln um, und nie auf einmal xD

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    3. Mit Illustrationen ist es doch aber toll. Auf sowas stehe ich ja total. :D
      Ich bin leider auch nie über Schulenglisch hinausgekommen (okay, noch ein bisschen an der Uni, aber das hilft auch nicht wirklich weiter). Aber dass das Original nicht ganz einfach ist, glaube ich nur zu gerne, das ist ja schon auf Deutsch teilweise recht kompliziert (was aber auch an meiner recht betagten Übersetzung liegen mag).

      Ich glaube einzeln umbauen wäre mir zu kompliziert, dann passt am Ende was nicht und args. Dann lieber am Testblog rumprobieren, das ist sicherer. ;D

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  2. Ich hab's für die Uni gelesen und fand es auch ziemlich gut, vor allem die Mischung aus Schauergeschichte und psychologischem Ansatz. :-)

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    1. Das ist immer toll, wie viel Literatur man für die Uni kennenlernt. Schön, dass es dir auch so gut gefallen hat. Mich hat besonders dieser psychologische Ansatz sehr fasziniert. :)

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  3. Hach, wie schön, dass ich das Buch noch da habe und jetzt wohl bald endlich mal lesen werde. Du hast mich sehr neugierig gemacht, danke dafür! :D

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    1. Es ist wirklich eine tolle kleine Lektüre für Zwischendurch. Sprachlich hat es mir super gefallen (auch wenn ich es ja faul auf Deutsch und nicht im Original gelesen habe). Ich wünsche dir viel Spaß. :)

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  4. Gut zu wissen, dass du das Buch für lesenswert hältst ;). Ich habe es mir nämlich als Reclam-Heft gekauft und möchte es, da ich ein großer Fan der Literatur dieses Jahrhunderts bin, unbedingt mal lesen!

    LG
    Charlie

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    1. Dann hoffe ich, dass es dir auch so gut gefällt. Ich fand es wirklich spannend und besonders der letzte Teil hat es mir sehr angetan.
      Kannst du denn sonst noch Literatur aus der Zeit empfehlen? :)

      Viele Grüße
      Miyann

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    2. Auch wenn "Oliver Twist" nicht wirklich düster ist, wie die romantische Literatur - Dickens ist wirklich toll!
      Die Bronte-Schwestern mag ich auch, zumindest "Jane Eyre" hat es mir sehr angetan.
      Bald werde ich mich auch an Tolstoi und Hugo wagen, wenn ich viel Zeit habe ;).

      LG
      Charlie

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    3. Ohja, Dickens möchte ich schon so lange lesen! Leider hatte ich bisher immer Pech mit der Auswahl in der Buchhandlung. Und Online-Bestellungen habe ich mir verboten. :D
      Jane Eyre habe ich auch gelesen und fand es ganz toll, die anderen Bücher der Bronte-Schwestern warten noch in meinem Regal.
      Tolstoi - da muss ich an Anna Karenina denken. Das habe ich leider abgebrochen, bzw. unterbrochen. Sollte eigentlich eine Leserunde werden, aber meine Mitleser haben alle aufgegeben.
      Aber für so dicke Klassiker braucht es auch echt Zeit und Muße. Der Ulysses wartet auch schon ganz lange auf mich, sogar eine ganz tolle, riesige, kommentierte Ausgabe, aber tja - wann soll man da einsteigen, das ist die Frage.

      Vielen Dank für die Empfehlungen!

      Viele Grüße
      Miyann

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