[Rezension] Im Wespennest




Bart Moeyaert
Im Wespennest
dtv
7,95 €
ISBN 978-3-423-62534-0
1. Auflage Februar 2013
144 Seiten
Taschenbuch
ab 13 Jahren
Verlagsseite





Inhalt


Die Geschichte des Mädchens Suzanne, das vor der Alternative steht, wegzulaufen oder endlich den Konflikt auszutragen, der schon so lange zwischen ihr und ihrer Mutter schwelt. Als an einem glutheißen Sommertag ein junger Mann im Dorf auftaucht und ihr den Kopf verdreht, ist für Suzanne die Entscheidung gefallen: Sie trägt den Konflikt mit der Mutter aus und sticht ins Wespennest. (Quelle)

Erst als ich auf der anderen Seite des Tores stehe, begreife ich, dass ich mich selbst vergessen habe. Ich habe immer geschworen, nie mehr in den Volckerwald zu gehen. Meine Kehle ist trocken, als hätte ich seit Wochen nichts getrunken.
S. 51


Meine Meinung


Beeindruckt hat mich an diesem Buch der Schreibstil. Er war mitreißend und sehr bildhaft, wenn auch teilweise reduziert. Ein toller Stil, den ich gerne länger genossen hätte. Speziell am Ende war ich immer begeisterter und dann ... war das Buch vorbei.

Das ist sowieso mein größtes Problem mit diesem Roman: Er endet zu früh. Ich habe das Gefühl, noch nicht alles erfahren zu haben und bleibe relativ ratlos zurück. Dies ist sicherlich ganz im Sinne des Autors, aber ich kann mich nicht ganz damit anfreunden.

Das Buch ist stark, keine Frage, starke Sprache, starke Symbole, aber die Handlung bleibt dahinter zurück. Obwohl im Verlauf der ersten 100 Seiten immer wieder Kapitel aus der Vergangenheit eingestreut werden und so Suzannes Geschichte immer weiter aufgerollt wird, war mir bis zum Ende nicht klar, worin eigentlich genau der Konflikt mit ihrer Mutter besteht. Anders als im Klappentext angegeben hatte ich auch gar nicht das Gefühl, dieser Konflikt würde im Mittelpunkt stehen. Es gibt so viele andere Konflikte, die mehr Aufmerksamkeit erhalten.
Das Ende hat mich auch sehr unbefriedigt zurückgelassen. Ein großes Fragezeichen verweilte in meinem Kopf.
Ich hätte einfach gerne mehr erfahren, um Suzanne besser verstehen zu können - so blieb mir das Verständnis leider an einigen Punkten verwehrt.

Die Handlungszeit des Buches umfasst genau genommen nur einen Tag, den Tag des Dorffests, an dem alle Menschen Konflikte vergessen und nur noch feiern wollen. Nur Suzanne kann sich dem bunten Treiben aus nachvollziehbaren Gründen nicht anschließen.
Gleichzeitig gibt es zu Beginn die bereits erwähnten Rückblicke in Suzannes Vergangenheit, die mir sehr gut gefallen haben.

Positiv lässt sich feststellen, dass hier (anders als man nach dem Klappentext vermuten würde) keine Liebesgeschichte im Mittelpunkt steht. Vielmehr handelt es sich um eine Geschichte des Erwachsenwerdens, die durch einen attraktiven jungen Mann ausgelöst wird.
Suzanne beginnt ab diesem Moment ihr Leben zu ändern, sie will sich nicht mehr mit allem abfinden, jeden Spott ertragen, sie will eigene Entscheidungen treffen und sich nicht länger unterordnen. Ob diese Entscheidungen die richtigen sind, steht auf einem anderen Blatt.

Hinter der Kirche liegt der Mond auf dem Rücken. Die Grabplatten sind Flecken im Gras, wie Laken, die jemand reinzuholen vergessen hat. Im Halbdunkel unter der Linde steht Wolf. Sein Gesicht leuchtet orange auf von der Glut einer Zigarette, und ein paar Herzschläge lang weiß ich ganz sicher, dass er in meine Richtung schaut.
S. 114


Fazit


Tolle Sprache, sehr schön erzählt, aber leider für meinen Geschmack zu wenige Hintergrundinformationen. Ich hätte gerne noch mehr über die Ursprünge der schwelenden Konflikte erfahren.

  

Kommentare:

  1. Hm, leider klingt das Buch sprachlich und stilistisch sehr toll, aber inhaltlich ziemlich oberflächlich :( schade :/

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    1. Hmm, ich würde nicht sagen, dass das Buch flach ist, im Gegenteil. Aber für mich hätte es noch ein wenig mehr Handlung und Information sein können. Auf mich wirkte es beinahe wie eine lange Kurzgeschichte, in der vieles angeschnitten, aber nicht richtig behandelt wird.
      Also man hat schon das Gefühl, dass ganz viel drin steckt. Hm, schwer zu beschreiben. :/

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    2. Uh, Bücher mit Kurzgeschichtencharakter kann ich ja auch so gar nicht leiden... da wird alles immer so schnell abgewickelt und da bleibt mir zu viel auf der Strecke... :/

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    3. Dann ist dieses hier definitiv nichts für dich! Ich habe mich bei der Bewertung ein bisschen schwer getan, weil letztendlich ja schon sehr viel hinter der Fassade steckt ... Aber nein, so richtig bin ich nicht damit warm geworden (leider). Eben weil ich das Gefühl hatte, dass das Buch stark gewonnen hätte, wenn es einfach noch ein paar Seiten mehr gehabt hätte.

      Dennoch ein interessanter Autor, vielleicht gucke ich mir mal sein anderes Buch genauer an. :)

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    4. Ich habs mir schon fast gedacht....
      Meistens ist das ja so, dass dann das klitzekleine Gefühl doch noch dazwischen kommt und man das Buch dann anders bewertet, kenn ich sehr gut :)
      Na dann hoffe ich, dass dir das andere Buch dann besser gefallen wird! :)

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