[Rezension] Täter wie wir




Kim Fupz Aaakeson
Täter wie wir
dtv
6,95 €
ISBN 978-3-423-78270-8
1. Auflage Februar 2013
176 Seiten
Taschenbuch
ab 12 Jahren
Verlagsseite





Inhalt


Eine Gruppe Jugendlicher. Ihr letzter gemeinsamer Sommer. Und eine Schuld, die alle bis an ihr Lebensende miteinander verbindet. (Klappentext)

Wir hielten zusammen, das stand fest. Es gab alle möglichen anderen, mit denen wir nichts zu tun haben wollten, alle, die auf die Sønderhal-Schule oder die Margretheschule gingen, konnten uns mal am Arsch lecken. Wir rannten auch nicht mit Pakis oder Arabern rum, die waren doch nur krank im Kopf, einmal sahen wir, wie sie ein Mädchen zusammengeschlagen haben. [...]
Aber so etwas machten wir natürlich auch, wenn wir zusammen auf der Straße waren und da kamen welche in unserem Alter, dann kriegten die auch etwas zu hören, was ist los, habt ihr ein Problem, sollen wir reden, hä? Dann konnte man richtig sehen, wie sie schnell zu Boden guckten und es eilig hatten, es gab keinen, der sich mit uns anlegen wollte, das war ein verdammt gutes Gefühl.
S. 49f.


Meine Meinung


Im Mittelpunkt des Buches steht eine Gruppe jugendlicher Rebellen, die kurz vor dem Ende ihres ersten Schulabschnitts stehen. In Dänemark besuchen Jugendliche bis zur neunten Klasse gemeinsam eine Schule, danach können sie sich entscheiden, ob sie eine weiterführende Schule besuchen möchten. Auf die gemeinsame Zeit bis zu dieser Trennung wird in dem Buch genauer eingegangen.

Das Buch ist in verschiedene Abschnitte unterteilt wie Leute, Tiere, Sex, Tod, Geheimnisse. Hier wird mehr über das Lebens der Jugendlichen erzählt, Momente aus ihrer gemeinsamen Zeit oder auch Gewohnheiten, Einstellungen. Dabei gibt es keine spezielle Handlung, die verfolgt wird, man liest vielmehr kurze, nicht chronologische Abschnitte, in denen bestimmte Ereignisse oder Gedanken thematisiert werden.

Das ist das Auffällige an dem Buch: Es wird aus der 1. Person Plural erzählt. Das ist einerseits spannend, weil man stets die Clique als Ganzes wahrnimmt, andererseits fällt es so schwer, sich mit den Jugendlichen zu identifizieren. Alles bleibt seltsam fern, es war beinahe so, als würde ich einen Zeitungsartikel lesen. Auch wenn ein solcher Artikel sicher nicht so schnodderig geschrieben sein würde wie dieses Buch.
Die Sprache passte meiner Meinung nach gut zu dem Inhalt - ob das ein Lob ist, ist die nächste Frage. Sie war wirklich schnodderig, herablassend.
Die Jungsgruppe fühlt sich stark, unternimmt nur gemeinsam etwas und sie geben sich gerne rebellisch. Sie wollen cool sein und anerkannt werden. Dazu gehört ein offener Umgang mit Sex, Alkohol und Drogen genauso wie eine abwertende Grundhaltung gegenüber ihrer Umwelt. Respekt gegenüber ihren Mitmenschen ist ihnen vollkommen fremd.
Die Ursachen für diese Grundeinstellung werden nur grob angeschnitten. Bei einigen ist es ein schlechtes Elternhaus, wobei es hier verschiedene Varianten gibt, bei anderen bleibt es bis zum Ende im Dunkeln. Hier kann man die Ursache wohl im Gefühl der Stärke finden, das in der Gruppe entsteht.

Dass einem diese Gruppe wenig sympathisch ist, ist wohl von vornherein klar. Zusätzlich wird einem durch die Erzählform noch jede Möglichkeit zur Identifikation genommen - bis zum Ende war es mir nicht möglich, die einzelnen Gruppenmitglieder namentlich aufzuzählen und zu unterscheiden, zu ähnlich waren sie sich, zu distanziert waren ihre Erlebnisse.

Das besondere Ereignis, das auf dem Klappentext thematisiert wird, ereignet sich dann tatsächlich auf den letzten fünf (!) Seiten. Worauf es hinausläuft, war mir von vornherein klar, aber ich denke, man hätte noch mehr aus diesem Moment herausholen können. Spoiler:  Letztendlich ist es dieser Moment, in dem eine Grenze überschritten wird und in dem das "Wir"-Gebilde in ein "Ich" zerbricht. Mit dem Ende der gemeinsamen Schulzeit ist somit auch das Ende der Clique gekommen. 

Und nun? Ich sitze da und weiß nicht, was ich von diesem Buch halten soll. Die Grundidee finde ich extrem spannend. Ich muss auch zugeben, dass mich das Verhalten und die Einstellung der Jugendlichen wirklich schockiert hat. Die Darstellung ist sicherlich realistisch, dennoch fiel es mir schwer, das Buch zu lesen, in dem diese Abneigung gegen jeden anderen Menschen in jedem Wort spürbar war.
Sicherlich ist das ein schriftstellerisches Talent. Dennoch hat mich das Buch nicht wirklich gefesselt. Ich fand die Episoden aus dem Leben der Jugendlichen ganz unterhaltsam, aber die Distanz war mir persönlich einfach zu groß.

Wir waren häufig unterwegs, um zu glotzen, was denn sonst. Am Strand im Frühling oder im Sommer, auf dem Stadtfest, wir hielten immer nach Weibern Ausschau. Wir glotzten natürlich auch im Winter, nur da war es schwieriger, wenn man draußen war, sah man ja fast nur die Gesichter.
S. 120


Fazit


Eine interessante Grundidee, doch leider konnte mich das Buch nicht richtig fesseln. Es war interessant und einmal etwas anderes, die Distanz zu den Protagonisten war mir aber leider wirklich zu groß. Ich hätte mir den Umbruch in der Handlung früher gewünscht.

  

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