[Rezension] Eine wie Alaska




John Green
Eine wie Alaska
dtv
8,95 €
ISBN 978-3-423-62403-9
1. Auflage Juni 2009
304 Seiten
Taschenbuch
ab 13 Jahren
Verlagsseite
Leseprobe





Inhalt


Miles hat die Schule gewechselt. Auf dem Internat verknallt er sich in die schöne Alaska. Sie ist das Zentrum ihres Sonnensystems, der magische Anziehungspunkt des Internats. Wer um sie kreist, ist glücklich und verletzlich gleichermaßen, euphorisch und immer nah am Schulverweis. Alaska mag Lyrik, nächtliche Diskussionen über philosophische Absurditäten, heimliche Glimmstängel im Wald und die echte wahre Liebe. Miles ist fasziniert und überfordert zugleich. Dass hinter dieser verrückten, aufgekratzten Schale etwas Weiches und Verletzliches steckt, ist offensichtlich. Wer ist Alaska wirklich? (Quelle)


Ihr Mund war so nah, dass ich ihren warmen Atem in der Abendluft spürte, als sie sagte: »Das ist das Rätsel, verstehst du? Ist es das Labyrinth des Lebens oder des Todes? Wem will er entkommen - der Welt oder ihrem Ende?« Ich wartete darauf, dass sie fortfuhr, aber nach einer Weile begriff ich, dass sie von mir eine Antwort wollte.
S. 29


Meine Meinung


Endlich ist es mir gelungen, etwas von John Green zu lesen, der ja überall in den höchsten Tönen gelobt wird. Nicht sein "Das Schicksal ist ein mieser Verräter", ich habe ganz langsam mit einem alten Werk von ihm angefangen, das schon als Taschenbuch erhältlich ist.
Ohne großes Vorwissen bin ich an das Buch herangegangen, ich wusste weder, worum es geht, noch, was vielleicht passieren würde. Ich war nur gespannt auf diesen bekannten Jugendbuchautoren John Green, von dem ich bisher nur einen "Kurzroman" gelesen habe.

Lange Zeit hat mich das Buch nicht unbedingt vom Hocker gerissen. Sprachlich ist es okay, aber teilweise wirkt mir die Jugendsprache nicht authentisch. Der Wechsel von hochgestochen zu lockerem Slang war mir zu krass. Dadurch entstand für mich ein stark konstruierter Eindruck. Keine Ahnung, ob das im Original besser gewesen wäre.

Aber nicht nur die Sprache wirkte auf mich unecht sondern auch die ganze Handlung. Der unbeliebte, unattraktive Junge wechselt von seiner alten Schule aufs Internat und wird dort dank Zimmergenossen in die Riege der ganz Coolen aufgenommen. Was heißt in dem Fall ganz cool? Sie geben sich gegenseitig bescheuerte Spitznamen, halten sich für intelligent (Sprache!) und konsumieren gerne Drogen. Allgemein stehen verbotene Sachen bei der kleinen Gruppe ganz hoch im Kurs. Hauptsache als Rebellen auffallen.

Dabei kreisen die drei Jungs aus der Gruppe wie Gestirne um die glänzende Sonne in ihrer Mitte, das Mädchen Alaska. Es entsteht ein Abhängigkeitsverhältnis, jeder scheint von ihr laben zu wollen, auch wenn sie extrem sprunghaft und kryptisch wirkt. Doch gerade dieses Kryptische zieht die Jungen an. Noch dazu ist sie natürlich unheimlich attraktiv - was auch sonst?
Dazu fand ich die Charaktere teilweise zu blass. Der Fokus lag auf drei Personen, alle anderen waren unbedeutend. Gut, das liegt wohl daran, dass die Geschichte aus Miles' Sicht erzählt wird und er alles außer Alaska uninteressant findet.

In dem Buch dreht sich nun alles darum, einen Sinn in Alaskas Handeln und Tun zu finden, sie zu verstehen. Typische Themen sind also das Erwachsenwerden, den Umgang mit den großen Fragen des Lebens und ja. Große Themen. Mir persönlich erschien das Buch aber oberflächlich, die tiefschürfend philosophischen Dialoge aufgesetzt. Ab der Hälfte des Buches kam nochmal ein wenig Schwung in die Handlung, aber auch dieser Schwung ließ schnell nach.

Ich denke, ich werde es nochmal mit einem anderen Roman von John Green versuchen, aber dieser hier war nicht wirklich mein Ding. Ich denke, es ist ein ordentliches Jugendbuch, an dem mich persönlich viele Dinge gestört haben, aber es hebt sich nicht unbedingt von anderen Jugendbüchern ab.
Ein Buch, das jetzt schon weiter aus meinem Kopf getrieben ist, als Bücher, die ich vor einem Jahr gelesen habe, was ich sehr schade finde.

Sie sah mich an und lächelte breit, so breit, dass das Grinsen auf ihrem schmalen Gesicht vielleicht dämlich ausgesehen hätte, wäre da nicht das unantastbar vornehme Grün ihrer Augen. Strahlend wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum sagte sie: »Ihr raucht zum Spaß, ich rauche, um zu sterben.«
S. 62


Fazit


Ein Jugendbuch, das sich an schweren philosophischen Themen versucht, aber dabei (für mich) nur guter Durchschnitt bleibt.

  

Kommentare:

  1. Mir hatte "Eine wie Alaska" sehr gut gefallen, wobei ich anmerken muss, dass ich die Geschichte als gekürztes Hörbuch gelesen von Andreas Fröhlich erlebt habe. Und der Sprecher ist einfach fantastisch und holt aus jedem Text das Beste raus. ;) So abwegig fand ich Sprachwechsel und die Beschäftigung mit den "großen Themen" nicht - vielleicht weil ich als Teenager zu viele Gleichaltrige kannte, die sich wie Miles und seine Freunde verhalten haben. ;D

    Ich bin gespannt, ob dir ein anderes Buch von dem Autor vielleicht besser gefällt. Vermute aber, dass du auch bei einem seiner anderen Romane vergleichbare Kritikpunkte finden wirst, denn eine gewisse Ähnlichkeit weisen seine Figuren und Geschichten schon auf.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh, Andreas Fröhlich liebe ich auch sehr, vielleicht muss ich nochmal das Hörbuch anhören. :D
      Ich habe auch nichts gegen "große Themen". Nur fand ich die Beschäftigung damit reichlich oberflächlich. Ich kann es schwer in Worte fassen, aber es wirkte auf mich, als würde der Autor zu viel wollen. Hätte er den Bogen nicht ganz so groß geschlagen, hätte es vielleicht besser geklappt. Doch so hat mich das Buch weder zum Nachdenken angeregt, noch prägt es sich in irgendeiner Weise ein.
      Sicher beschäftigt man sich im Jugendalter mit genau solchen Dingen, das ist ja vollkommen normal. Aber diese Übertragung ins Buchformat hat für mich nicht funktioniert.
      Ich habe auch nichts gegen Buchfiguren, die gut reden können. Doch ich hatte bei den Dialogen nicht das Gefühl, dass Jugendliche wirklich so sprechen könnten, sondern dass sie einfach nur cool klingen sollten.

      Ja, ich fürchte auch. Schon sein "Kurzroman" hat mir nicht wirklich zugesagt, in dem Fall hatte ich ähnliche Kritikpunkte.
      Vielleicht sollte ich es doch einfach lassen und als "ist nichts für mich" abhaken. ;D

      Viele Grüße
      Miyann

      Löschen
  2. Ich fand es sprachlich wirklich spitze, kann dich aber auch verstehen. Mir geht es ähnlich wie "Winterkatze". Das Verhalten von Miles und seinen Freunde habe ich so einfach auch schon in meinem Bekanntenkreis erlebt und fand es absolut nicht abwegig. Finde es sehr schön gemacht, wie diese Jugendlichen glauben sie könnten alles, die ganze Welt beherrschen, und bitter erfahren müssen, dass sie alle nur sterblich sind. (Obwohl sie gerade das verdrängen wollten).
    Ich kann dir kein anderes Buch raten, weil es bisher mein einziges von Green ist.
    Mir geht es aber mit vielen angeblich so tollen Romanen wie dir ("Nach dem Sommer", "Zwei an einem Tag") :D

    LG Anni

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Anni,

      mit deiner Argumentation zweifle ich jetzt wieder an deiner Bewertung. Du hast Recht, dieser Moment ist auf jeden Fall gut rübergekommen.

      Dennoch war für mich dieser krasse Schockeffekt nicht da, weil ich von Anfang an keine besonders gute Beziehung zu Miles & Co. aufbauen konnte. Vielleicht, weil es mir ein bisschen vorkam wie der typische amerikanische Teeniefilm ... ich weiß auch nicht. Schon allein diese Spitznamen ...

      "Nach dem Sommer" steht auch immer noch auf meiner Leseliste. Allerdings gehe ich ohne irgendwelche Erwartungen an dieses Buch heran. ;D

      John Green hatte es natürlich von vornherein etwas schwer, weil eben alle von ihm schwärmen und man so natürlich hohe Erwartungen entwickelt.
      Vielen Dank auf jeden Fall für den neuen Denkanstoß. Es ist doch immer wieder schön, sich über Bücher auszutauschen.

      Viele Grüße
      Miyann

      Löschen
  3. Von Green habe ich bis jetzt ( Ja, ich weiß..Schande über mich!) nur "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" gelesen und das war ja wirklich spitze!
    Auf meinem Buch liegt noch "Die erste Liebe...", das ja echt süß sein soll, aber bei "Eine wie Alaska" und "Margos Spuren" ist mir aufgefallen, teilen sich die Meinungen deutlich! Was mir aber nur einen Anreiz mehr gitb, es zu kaufen und zu lesen ;)..

    Das Design von deinem Blog ist echt klasse!
    LG Clara

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Clara,

      ach, da brauchst du keine Schande, ich habe bisher ja auch nicht mehr gelesen. "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" begeistert ja wirklich alle total. :)

      Es beruhigt mich nun, dass du scheinbar noch andere Negativmeinungen zu dem Buch kennst - ich fühlte mich schon wie eine einsame Kritikerin (dabei sind 3 Sterne ja eigentlich recht solide).
      Ich lese aber auch sehr gerne polarisierende Bücher, das ist immer total spannend. :D

      Danke dir! Das freut mich total. Wobei ich es wahrscheinlich in nächter Zeit mal umstrukturieren werde, denke ich.

      Viele Grüße
      Miyann

      Löschen
  4. Hallo Miyann ;),

    endlich mal jemand, der diesem Buch auch nicht so euphorisch gegenübersteht. Bei vielen Lesern habe ich den Eindruck, sie meinen Green lieben zu müssen, nur weil ihnen DSiemV gefallen hat.
    Dabei konnten mich seine anderen Bücher nicht halb so sehr überzeugen.
    Deine Meinung zu "Eine wie Alaska" teile ich ebenfalls. Ähnlich wie bei "Margos Spuren" und ich glaube auch "Die erste Liebe..." und "Will & Will" verliebt sich hier der, flapsig ausgedrückt, arme, kleine Loser in ein cooles Mädchen - eine Geschichte, die mich überhaupt nicht anspricht. Dazu kommt der Drogenkonsum, den du ja auch erwähnst, und die Tatsache, dass mich die Charaktere nicht besonders angesprochen haben.
    Gut zu wissen, dass ich nicht die einzige bin, die so denkt :).

    Liebe Grüße
    Charlie

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Charlie,

      das finde ich nun sehr beruhigend, dass es dir mit dem Buch ähnlich geht. Ich dachte schon, ich wäre seltsam und habe irgendwas übersehen. ;D
      Ich komme, je länger ich darüber nachdenke, auch immer mehr zu dem Schluss, dass John Green wahrscheinlich nicht mein Autor ist. Bei "Eine wie Alaska" haben mich ähnliche Dinge gestört, wie bei diesem Kurzroman, der auch eine Geschichte von ihm enthalten hat.
      Die Szenen, Dialoge und Charaktere wirken auf mich wie frisch aus einem amerikanischen Teeniefilm entnommen und wenig authentisch.
      Vielleicht sollte ich es mit ihm nicht weiter versuchen - ich weiß auch nicht. ;D

      Viele Grüße
      Miyann

      Löschen
    2. Auf deine Meinung zu "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" wäre ich trotzdem sehr gespannt! Meiner Meinung nach versucht der Autor dort mal etwas anderes und das ist ihm auch gelungen ;)
      Diess Buch kann ich dir auf jeden Fall noch ans Herz legen!

      Liebe Grüße
      Charlie

      Löschen
    3. Da warte ich aber auf das Taschenbuch, ich mag dafür nicht so viel Geld ausgeben. Denn irgendwie schwant mir Übles. :D
      Andererseits klingt es gut, dass er etwas Neues probiert.

      Vielen Dank für die Empfehlung!

      Löschen
    4. Das kann ich verstehen, kann aber noch eine Weile dauern, da es ein ziemlicher Bestseller war.
      So darfst du da nicht rangehen! Von der Idee und von den Charakteren her ist es zum Glück von Grund auf anders!

      Löschen
    5. Das macht nichts, da kann ich warten. Im Moment habe ich eh nicht so das Verlangen nach einem weiteren John Green. ;D
      Klingt gut, nur wird er den Ausdruck seiner Charaktere und den Schreibstil wohl nicht grundlegend geändert zu haben. Und genau damit habe ich wohl das größte Problem. :/

      Löschen
    6. Also ich liebe den Schreibstil von DSiemV, obwohl ich "Eine wie Alaska" nicht so toll fand. Und die Charaktere sind meiner Meinung nach auch authentischer und auch wenn wieder philophische Gedanken vorkommen, sind diese in DSiemV meiner Meinung nach berechtigter. Das Thema ist ja auch ein ganz anderes.
      Aber es gibt ja auch noch genug andere Bücher ;)

      Löschen