[Rezension] Der Maskenmörder von London



Nina Blazon
Der Maskenmörder von London
Sauerländer | Ravensburger
14,90 € | 6,95 €
ISBN 978-3-7941-7050-4 | 978-3-4735-82840
1. Auflage 2007
240 Seiten | 288 Seiten
Gebunden | Taschenbuch






Inhalt


Wir befinden uns in London im Jahr 1734. Der Sänger Giacomo Amorelli begeistert die Menschen mit seinen Auftritten, doch als sein größter Konkurrent Ferrante während einer Vorstellung zu Tode kommt, wird der Star als erster verdächtigt. Lucius, ein junger Adeliger, will nicht an Amorellis Schuld glauben und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln ... 

Lucius erstarrte und schnappte nach Luft. Selbst von hier aus erkannte er das silberblaue Theatergewand und den schleifenverzierten Schuh mit hohem Absatz. Ferrante! Doch mehr als der Anblick des verhüllten Körpers erschreckte Lucius das abgeschnittene Seil, das auf dem Boden lag. 
S. 17

Meine Meinung


Bisher haben mir die Bücher von Nina Blazon immer sehr gut gefallen, besonders "Totenbraut" war für mich ein Highlight, das ich so gar nicht erwartet hatte. Als ich also dieses Buch günstig bei Medimops entdeckte, habe ich zugegriffen und mich auf einen weiteren tollen Roman aus der Feder der Autorin gefreut. Und dann auch noch ein historischer Krimi in London, das Genre finde ich sowieso recht spannend und London ist immer toll, besonders zu dieser Zeit. Leider ist das Buch meinen Erwartungen nicht gerecht geworden.

Fangen wir bei den Charakteren an: Die Nebencharaktere haben bei mir weitaus mehr Eindruck hinterlassen als die Protagonisten. Kein gutes Zeichen. Lucius blieb stets sehr blass, auch am Ende des Buches war mir nicht ganz klar, worin eigentlich seine Motivation besteht. All seine Gedankengänge, die das näher erläuterten, wirkten wie leere Phrasen auf mich. Anders ausgedrückt: Lucius konnte mich an keiner Stelle überzeugen. Und mit den anderen Charakteren ging es mir leider ähnlich. Sie alle wirkten wie Puppen in einem einstudierten Theaterstück auf mich, niemals lebendig, sehr konstruiert.

Mir ist klar, das ein Roman natürlich konstruiert ist, doch habe ich das selten so deutlich gemerkt wie an diesem Punkt. Der Autorin ist es nicht gelungen, die Charaktere gelungen in die Kriminalgeschichte einzuflechten und so wirkten sie meist deplatziert. Genauso ging es mir im Übrigen auch mit der Liebesgeschichte, als müssten auf Gedeih Verderb bestimmte Ingredienzen hinzugefügt werden - die Liebesgeschichte war eine davon.

Dafür kann das Buch mit einer tollen historischen Atmosphäre punkten. Wie gewohnt schreibt Nina Blazon so, dass man in die Zeit eintauchen kann und das Gefühl hat, in einem nicht romantisch verklärten London des 18. Jahrhunderts durch die Straßen zu laufen. Alles wirkte gut recherchiert und ein Besuch auf der Homepage der Autorin bestätigt diesen Eindruck: Hier findet man nochmal einige Hintergrundinformationen, die ich mir gleich begeistert durchgelesen habe.

Auch der Fall ist toll, auf jeden Fall sehr ungewöhnlich platziert in der Londoner Theaterszene. So sieht man einmal Seiten der Stadt und der Zeit, die man sonst vielleicht nicht kannte.
Allerdings hat mich die ganze Ermittlung nicht richtig überzeugen können. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich bis zum Ende nicht verstanden habe, wieso Lucius sich eigentlich berufen fühlt, dem Mord auf den Grund zu gehen. Der ganze Einstieg wirkte auf mich somit etwas misslungen. Wäre der Protagonist in irgendeiner Weise persönlich involviert, wäre alles gleich viel stimmiger gewesen. Aber so wunderte ich mich nur, was er da gerade tut und denkt.
Und dann noch das Thema von dem armen Adeligen der keine Lust auf das privilegierte Leben hat und stattdessen lieber Detektiv spielen möchte - ja. Überzeugt vielleicht einige Leser, bei mir hat es leider nicht geklappt.
Das ist für mich das Hauptproblem: Die Personen handeln meist aus Leidenschaft, aus Begeisterung, aber ich konnte diese Emotionen niemals richtig spüren und so wirkte es nur fad.

Ich finde es sehr schade, dass das Buch für mich so viele Schwachpunkte hatte, denn von der Atmosphäre her ist es doch sehr gelungen. Aber was bringt die schönste Atmosphäre ohne eine packende Story? Diese Roman ist definitiv nicht der beste von Nina Blazon. 

Lucius nahm seinen Hut und lief auf die Straße. Fischgeruch wehte zu ihm hinüber. Kabeljauverkäuferinnen boten ihre Ware feil. Frauen, die für ein paar Pennies Austern - der Armengericht der Hafenbewohner - verkauften, eilten mit den Körben auf den Köpfen an ihm vorbei. Heute lag Nebel über der Themse, es war kühl, obwohl der Herbst nicht allzu kalt begonnen hatte. 
S. 70

Fazit


Ein historischer Krimi für Jugendliche, der trotz schöner Atmosphäre leider nicht ganz überzeugen kann. Der größte Schwachpunkt sind die blassen Charaktere in Kombination mit einer wenig fesselnden Story. 

  

Kommentare:

  1. Schade, der Klappentext wirkte ziemlich interessant!! :/
    Vielleicht werde ich es mir auch mal kaufen... ^^

    LG
    Boncuk

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    1. Hallo Boncuk,

      ich glaube, das Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich, zumindest habe ich keine aktuell noch verfügbare Version gefunden.
      Die Grundidee war auch wirklich nett, aber die Charaktere wirkten einfach nicht glaubwürdig - das war mein größtes Problem mit dem Buch. Da sieht man mal, was Charaktere so ausmachen ... ;)

      Viele Grüße
      Miyann

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    2. Ich hab grad mal bei Amazon geguckt und da gibt's so 2-3 Leute die das Buch gebraucht verkaufen. Mal sehen! :D
      Ja, die Charaktere sind eigentlich das Wichtigste am ganzen Buch.. :)
      LG
      Boncuk

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  2. Hmmm, deine Bewertung ist ja nicht so toll. Ich glaube, dann lass ich`s mal lieber ;)
    LG, Sandrina

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